Zu Überstunden Gezwungen – So Kannst Du Dich Wehren

Zu Überstunden Gezwungen – So Kannst Du Dich Wehren

Eins vorweg: Zu Überstunden gezwungen zu werden, ist ein Vorkommnis, dass es eigentlich gar nicht mehr geben dürfte. Wenn Du Dich in einer solchen Situation befinden solltest, dass Dein Chef Dich zu Überstunden zwingt, ohne eine Gegenleistung dafür anzubieten, dann musst Du Dich wehren. In diesem Artikel erklären wir Dir, wie Du das am besten tust.

Zu Überstunden Gezwungen – Rechtlich Verboten

Zum Einstieg in das Thema solltest Du Dir die Rechtslage vor Augen führen. Überstunden sind nicht verboten, aber Du darfst nicht zu ihnen gezwungen werden, selbst wenn es einen finanziellen oder Freizeitausgleich dafür gibt.

  • Überstunden müssen vom Arbeitgeber angeordnet und mit betrieblichen Notfällen/Notwendigkeiten begründet werden (das ist noch kein Zwang).
  • Du hast das Recht, aus zwingenden privaten Gründen Überstunden abzulehnen (z.B. wegen eines Arzttermins, der schon lang geplant war, oder wegen Kinderbetreuung).
  • Auch mit Überstunden darf es nicht zu einer Verletzung des Arbeitszeitgesetzes kommen (kurzfristig mehr als 10 Stunden am Tag / 60 Stunden die Woche; im Halbjahresschnitt maximal 8 Stunden am Tag bzw. 48 Stunden pro Woche).
  • Überstunden müssen finanziell oder durch Freizeit ausgeglichen werden.
  • Überstunden sollten die Ausnahme und nicht die Regel sein.

Was Tun, Wenn Du Immer Wieder Zu Überstunden Gezwungen Wirst?

Zwang ist ein hartes Wort. Deshalb solltest Du zunächst versuchen, die Situation objektiv zu bewerten. Dafür kannst Du Dir am besten diese Fragen beantworten:

  • Herrscht im Betrieb ein gutes Betriebsklima, welches nicht von Angst und Misstrauen geprägt ist?
  • Kommst Du grundsätzlich gut mit Deinem Chef klar?
  • Kommt es nur sporadisch zu Mehrarbeit?
  • Lässt sich die Mehrarbeit sachlich mit Notfällen begründen (z.B. krankheitsbedingte Ausfälle der Kollegen, wichtiges Projekt neigt sich dem Ende zu, überdurchschnittlich viel Aufträge)?
  • Wir Dir die Möglichkeit eröffnet, die Mehrarbeit abzulehnen?

Wenn Du diese Fragen mit NEIN beantwortest, dann deutet viel auf systematische Probleme hin. Die Mitarbeiter, zu denen Du auch gehörst, werden tatsächlich zu Überstunden gezwungen.

Dokumentieren Von Überstunden Ist Der Erste Schritt

Zu Überstunden gezwungen zu werden, muss nicht heißen, dass diese Überstunden nicht bezahlt werden. Aber wenn Zwang im Spiel ist, dann ist auch die finanzielle Ausbeutung nicht weit. Und meistens gibt es in solchen Firmen auch weder einen Betriebsrat noch eine Mitarbeitervertretung, an die Du Dich wenden kannst. Aber bevor Du irgendwelche weiteren Schritte einleitest, solltest Du das Ausmaß dokumentieren. Führe ein Protokoll über Deine geleisteten Überstunden und mache Dir auch Notizen dazu, welche Tätigkeiten sich dahinter verbergen. Wenn Du das ein oder zwei Monate gemacht hast, dann kannst Du auch nachweisen, ob das Arbeitszeitgesetz nachhaltig verletzt wurde.

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Zweiter Schritt: Gespräch Suchen

Auch wenn die Atmosphäre schon belastet ist, solltest Du trotzdem ein Gespräch mit Deinem Chef suchen. Zeige ihm anhand Deiner Aufzeichnungen, wie viel Du schon für die Firma geleistet hast und welchen Wert Deine Arbeitskraft darstellt. Wenn er das nicht anerkennt, dann weise ihn auf die rechtliche Lage hin. Überstunden dürfen nicht erzwungen werden und sie müssen kompensiert werden. Wenn das Arbeitszeitgesetz verletzt wurde, dann kannst Du ihn auch darauf hinweisen. Bleibe aber sachlich. Vielleicht hilft es, wenn er versteht, dass er bei 10-Stunden-Überschreitungen dafür haftet, wenn es auf dem Nachhauseweg zu Unfällen kommt und seine Mitarbeiter verletzt werden bzw. wegen Überlastung und Übermüdung andere Menschen verletzen. Beim Thema Überstunden und ihrer Kompensation sollte zwischen Dir und Deinem Chef immer Einigkeit herrschen. Wenn diese nicht herzustellen ist, dann müssen drastischere Schritte ergriffen werden.

Drastische Schritte Bei Erzwungenen Überstunden

Grundsätzlich hast Du drei Möglichkeiten. Alle Möglichkeiten sind nicht wirklich angenehm, aber nur konsequent, wenn sich etwas ändern soll.

  • Falls das Arbeitszeitgesetz häufig verletzt wird und dies nicht nur für Dich, sondern auch für viele Kollegen gilt, kannst Du dem Gewerbeaufsichtsamt einen Hinweis geben (sofern es keinen Betriebsrat gibt, zu dem Du zuerst gehen solltest). Das Gewerbeaufsichtsamt kann zu Sanktionen greifen, wenn bei einer Kontrolle entsprechende Missstände aufgedeckt werden.
  • Du kannst Deine Ansprüche mit Hilfe eines Anwalts einklagen.
  • Du suchst Dir einen neuen Job und kündigst.

Mach Dir Deinen Wert Und Deine Ansprüche Klar

Wenn Gespräche mit Deinem Chef nichts bringen, dann ist das Verhältnis zerrüttet und Du wirst in Deiner Firma ohnehin nicht mehr glücklich werden. Deshalb ist in letzter Konsequenz die Suche nach einem Job wahrscheinlich die beste Lösung für Dich. Mach Dir dabei klar, beispielsweise auch mit Hilfe des Karrierecoaches von slected, wo Dein Marktwert liegt und welches Umfeld Du erwartest.

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