Was Tun, Wenn Der Chef Dich Ausnutzt?

Was tun, wenn der Chef Dich ausnutzt?

Es kommt immer wieder vor, dass Chefs oder Führungskräfte meinen, Ihre Mitarbeiter ausnutzen zu können, indem sie ihnen unbezahlte Überstunden oder Tätigkeiten außerhalb des Stellenprofils aufdrücken. Was kannst Du tun, wenn auch Du in eine solche Lage gerätst? Wir geben Dir hier einen kurzen Überblick über Deine Rechte.

Was Sind Überstunden?

Üblicherweise hat jeder Angestellte einen Arbeitsvertrag, in dem die Regelarbeitszeit festgehalten ist. Bei einer Vollzeitstelle sind das üblicherweise 35 bis 40 Stunden die Woche. Laut Arbeitszeitgesetz dürfen es gar nicht mehr als 8 Stunden am Tag und 48 Stunden die Woche sein. Alles, was über die vertragliche Arbeitszeit hinausgeht, sind Überstunden. Aber bei welcher Grenze fängt es an, dass Du vom Chef ausgenutzt wirst? Zum Schutz der Arbeitnehmer wird im Arbeitszeitgesetz auch festgelegt, dass Arbeitnehmer punktuell nicht länger als 10 Stunden am Tag und 60 Stunden die Woche arbeiten dürfen. Im Schnitt von sechs Monaten müssen dann wieder die 8 bzw. 48 Stunden erreicht werden.

Überstunden: Der schmale Grat Zwischen Notwendiger Mehrarbeit Und Vom Chef Ausgenutzt Werden

Überstunden sind nicht verboten, aber Arbeitnehmer sind gesetzlich auch nicht dazu verpflichtet, diese Mehrarbeit zu leisten, außer es ist explizit in den Arbeitsverträgen so vorgesehen. Überstunden sollten nicht einfach so im Arbeitsalltag „anfallen“. Wenn das so ist, dann ist irgendetwas an Deiner Stellenbeschreibung nicht korrekt. Die Arbeitszeit im Vertrag und Dein Stellenprofil sollten zueinander passen. Wenn Du jeden Tag eine Stunde einfach so mehr arbeitest und dies nicht dokumentierst, dann lässt Du Dich bereits von Deinem Chef ausnutzen.

Überstunden Können Angeordnet Werden

Überstunden müssen angeordnet werden, und zwar aus konkreten Anlässen. Das können Notsituationen sein, weil Kollegen krankheitsbedingt ausfallen. Das können auch temporäre Auftragsspitzen sein. Es muss eine betriebliche Notwendigkeit vorliegen. Aber Du kannst genauso gut aus privaten Notwendigkeiten diese Überstunden ablehnen, zum Beispiel wegen eines langfristig geplanten Arzttermins oder der Betreuung Deiner Kinder. Dein Arbeitgeber kann Dich nicht zu Überstunden zwingen. Wenn Du allerdings zu häufig die Mehrarbeit in Form von Überstunden verweigerst, obwohl Dein Chef ihre Notwendigkeit gut begründet hat, kann Dir Dein Arbeitgeber auch irgendwann kündigen. Um auszuschließen, dass Du wegen der Überstunden von Deinem Chef ausgenutzt wirst, müssen Überstunden ausgeglichen werden.

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    So Wird Das Ausnutzen Durch Den Chef Verhindert: Kompensation Von Überstunden

    In vielen Tarifverträgen ist relativ klar geregelt, wie Überstunden kompensiert werden sollen.

    • Finanzieller Ausgleich: Die geleistete Mehrarbeit wird bezahlt. Üblicherweise gibt es für Überstanden sogar einen Zuschlag zum normalen Stundenlohn.
    • Zeitlicher Ausgleich: Die Überstunden werden Deinem persönlichen Stundenkonto gutgeschrieben und Du kannst sie später einlösen, indem Du beispielsweise mal früher Feierabend machst oder Dir zusätzliche freie Tage nimmst, die Du allerdings wie normale Urlaubstage anmelden musst.

    Es ist wichtig, dass beim Thema Überstunden und ihrer Kompensation zwischen Dir und Deinem Chef Konsens herrscht. So kann es nicht passieren, dass Du von Deinem Chef ausgenutzt wirst.

    Ausnahmen: In Diesen Fällen Nutzt Der Chef Nicht Aus

    Wenn Du über 7100 (West) oder 6700 Euro (Ost) verdienst, dann hast Du keinen Anspruch auf finanziellen Ausgleich. Außerdem können sich leitende Angestellte quasi per Definition nicht von ihrem Chef ausnutzen lassen, weil für sie das Arbeitszeitgesetz nicht gilt. Leitende Angestellte haben beispielsweise die Vollmacht, Mitarbeiter einzustellen, oder besitzen Prokura oder nehmen eindeutig unternehmerische Funktionen wahr.

    Das Kannst Du Tun, Um Dich Nicht Von Deinem Chef Ausnutzen Zu Lassen

    Um zu vermeiden, dass es zu Situationen kommt, in denen Du von Deinem Chef ausgenutzt wirst, solltest Du Deine Mehrarbeit dokumentieren, am besten sogar noch den Grund dafür. Das kostet zwar auch wieder etwas Zeit, ist aber eine wertvolle Argumentationshilfe, wenn Dein Arbeitgeber sich unwillig zeigt, die Überstunden finanziell zu kompensieren. Mit der Dokumentation Deiner Tätigkeiten machst Du Deinem Chef klar, welchen Wert Du für das Unternehmen darstellst. Du kannst auch mit Hilfe des slected Karriere-Coaches Deinen Marktwert ermitteln und herausfinden, ob Du vom Chef rein gehaltstechnisch ausgenutzt wirst. Wenn Gespräche nichts bringen, obwohl Du einen gesetzlichen Anspruch auf einen Ausgleich hast, dann wird es wahrscheinlich Zeit, sich nach einem neuen Job umzusehen.

    Deine Rechte

    Dies sind kurz zusammengefasst Deine Rechte, die sicherstellen sollen, dass kein Chef Dich ausnutzen kann:

    • Überstunden müssen angeordnet und mit betrieblichen Notfällen/Notwendigkeiten begründet werden.
    • Du hast das Recht, aus zwingenden privaten Gründen Überstunden abzulehnen.
    • Mit Überstunden darf es nicht zu einer Verletzung des Arbeitszeitgesetzes kommen.
    • Überstunden müssen finanziell oder durch Freizeit ausgeglichen werden.
    • Überstunden sollten die Ausnahme und nicht die Regel sein.

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